Freiburg. Den Glauben vertiefen, geistige Kraft schöpfen, Dankbarkeit zeigen, eine Auszeit nehmen, Buße tun – Wallfahren hat viele Aspekte. Eine Gruppe von knapp 60 Personen ist derzeit mit Erzbischof Stephan Burger auf Wallfahrt im Piemont unterwegs. Mit dabei ist auch der Bruder des Erzbischofs, Erzabt Tutilo Burger, OSB, aus dem Kloster Beuron.
Die Wallfahrt dauert fünf Tage und führt unter anderem zum Dom von Turin, wo das Grabtuch Christi aufbewahrt wird. Einen Gottesdienst feiern die Wallfahrer in der Maria-Hilf-Basilika, dem Wirkungsort des Reformpädagogen, Jugendseelsorgers und Ordensgründers Don Bosco (1815-1888), dessen Reliquien dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben (beides am Dienstag). Weitere Ziele sind der Wallfahrtsort Sacra San Michele (Mittwoch) und die Wallfahrtskirche Regina Montis in Vicoforte (Donnerstag). Dort ist die elliptische Kuppel zu bestaunen, die größte ihrer Art. Auch gibt es eine Stadtführung in Moncalieri, wo die Pilger die Kirche Maria della Scala besuchen und des dort verehrten Schutzpatrons, des Seligen Bernhard von Baden, gedenken (Freitag).
Schon auf der Anreise nach Turin machte die Reisegruppe am Montag (11. Mai) einen Zwischenstopp in der 1500 Jahre alten Abtei Saint Maurice im Wallis, einem Kloster der Augustiner-Chorherren. Erzbischof Burger feierte dort mit den Mitreisenden einen Gottesdienst. Er erinnerte an den heiligen Mauritius, einen römischen Soldaten, der im dritten Jahrhundert wie die gesamte Thebäische Legion aus Ägypten kam und im Wallis eingesetzt war.
Als der Befehl des römischen Kaisers Maximianus erging, seine Legion habe dort aufständische Christen niederzuschlagen, geriet Mauritius in einen Gewissenskonflikt. Er und seine Leute waren selbst Christen und zugleich dem Kaiser Gehorsam schuldig. Er entschied, sich dem Befehl zu verweigern und nicht gegen seine christlichen Brüder und Schwestern vorzugehen – mit tödlichen Folgen: Die gesamte 6000 Mann starke Thebäische Legion wurde auf Befehl des Kaisers niedergemacht.
Erzbischof Burger schlug den Bogen von Mauritius zur Situation der Wallfahrer. Zwar seien wir heute weit entfernt von einem derartigen Martyrium. Doch auch uns stelle sich die „bohrende Frage, was mir persönlich der Glaube an Christus bedeute. Welche Konsequenzen darf der Glaube in meinem Leben haben?“ Einen Impuls gab er den Pilgern mit auf die nächsten Stationen ihrer Wallfahrt: „Nur dort, wo jeder einzelne mit dem Bekenntnis zu Christus ernst macht, wo er versucht, so gut es in seinen Kräften steht, das zu leben und umzusetzen, was er von der Botschaft Christi verstanden hat, nur dort vermag sich die Beziehung zu Christus auch weiterentwickeln.“ So werde es möglich, auch Unangenehmes im eigenen Leben, das wir nicht ändern können, auszuhalten und zu ertragen – „eben aus Liebe zu Christus“.
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