Die Stille als Geheimnis des Advent

Advent – stille Zeit – wirklich? 
An was denken wir, wenn wir das Wort Advent hören? 
Einerseits an ruhige Stunden bei Kerzenlicht, an vertraute Lieder, gemeinsam basteln, spielen oder musizieren, lesen oder Musik hören. All das verbinden wir mit der Adventszeit. 

 
Andererseits erleben wir die Adventszeit als hektisch, wir fühlen uns getrieben von To-do-Listen, vom Geschenke einkaufen, backen, dekorieren und vielem mehr. Die vielen Angebote in den Geschäften und Weihnachtsmärkten überfordern uns, die adventliche Stimmung kippt. 
Lässt sich das ändern – und wie? 
Wir sind zwar keine elektrischen oder elektronischen Geräte, wir haben keine Taste zum Abstellen und runterfahren, aber wir können selber dafür sorgen, dass wir nicht ständig auf „stand by“ stehen. Nichts tun, ruhig werden, das ist in unserer schnelllebigen und fordernden Zeit schwierig, es braucht Übung. Wir sind es nicht gewohnt und können Stille manchmal kaum aushalten. 
Advent heißt warten, Erwartung. Wir können diese Zeit des Wartens nutzen, um zu uns selbst zu finden.  
Und wie kann ich meine innere Adventsoase finden? 
Einige Anregungen: 
  • Zu Hause allein in der Dunkelheit vor einer Kerze sitzen und die Gedanken zur Ruhe kommen lassen.
  • In einer dunklen Kirche in der Stille vor Gott verweilen.
  • Einen Spaziergang allein, zu zweit oder mit mehreren – schweigend – unternehmen.
  • Einen Rorate- Gottesdienst mit Kerzenlicht besuchen.
Der Theologe Karl Rahner schreibt dazu: 
„Es gibt ein inwendiges Land in unseren Herzen, wo wir allein sind, wo niemand hinfindet als Gott. Treten wir da leise ein! Schließen wir die Türe hinter uns! Lauschen wir der unsagbaren Melodie, die im Schweigen der Nacht ertönt. Die stille und einsame Seele singt hier dem Gott ihres Herzens ihr leisestes und innigstes Lied. Und sie kann vertrauen, dass er es hört. Und der bei sich selbst Eingekehrte vernimmt in der Stille, in der Tiefe des Herzens Gottes leises Wort der Liebe. Man muss ruhig sein, die Nacht nicht fürchten, schweigen. Sonst hört man nichts.“  
 
Adventssegen 
Ich wünsche Segen allen, 
 die in der Unruhe des Herzens und in ansteckender Hektik leben, dass sie Ruhe finden:  Momente der Ruhe, Raum der Ruhe, Ruhe in Gott, in sich selbst. 
Ich wünsche Segen allen,  
die in Dunkelheit leben, in Schwermut, Schwere und Angst, dass sie Licht finden: 
Momente der Freude, Raum der Stille, Licht in sich – überflutendes Licht Gottes. 
 (Wolfgang Fenske)