Klezmermusik-Trio sucht neue Sängerin
Die Ortenauer Formation Le Chajim, die maßgeblich auf den Pastoralreferent Stephan Thüsing zurückgeht, hat sich mit jiddischen Liedern und Klezmermusik einen Namen gemacht. Nun geht Sängerin Silke Bruder neue Wege und das Instrumentaltrio aus Rolf Lehmann, Wolfram Ehret und Stephan Thüsing sucht Ersatz. „Ohne Stimme, die die Lieder eindrucksvoll zu Gehör bringt, fehlt etwas bei unseren Veranstaltungen“, meint Lehmann. „Eine Sängerin, die nicht nur Freude am Singen, sondern auch Neugier an jiddischer Musik mitbringt, wäre perfekt.“
Wer Interesse hat bei "Le Chajim" zu singen, melde sich bei Stephan Thüsing;
thuesing@appenweier-durbach.de / Tel. 07805-9184-25
thuesing@appenweier-durbach.de / Tel. 07805-9184-25
Die Formation hat sich 2008 gegründet. Damals spielten Klarinettist Stephan Thüsing,Patoralreferent in der katholischen Kirchengemeinde Appenweier-Durbach, und derakkordeonspielende Musiklehrer Wolfram Ehret zur Einführung ihres neuen Leiters derSchauenburgschule Urloffen ein Klezmermusikstück. „Papirosen - ein trauriges und zugleich schwungvolles jiddisches Lied über einen verzweifelten Jungen, der in einer verregneten Nacht der 1930er Jahre Zigaretten verkaufen muss, um sein Überleben zu sichern“, erinnert sich Thüsing, der bereits während seines Studiums in Münster mit der Gruppe Nefesh spielte.
Eingespieltes Team
Der neue Chef war so berührt von der melancholischen Melodie, dass sich zunächst die drei Männer und zwei Jahre später auch Sängerin Silke Bruder zusammentaten und bei besonderen Anlässen Klezmermusik zum Besten gaben. „Zunächst nur einzelne Stücke, aber nach und nach hat sich ein ganzes abendfüllendes Programm ergeben“, berichtet Lehmann. „Der Wunsch war, die Stücke mit ihrem Hintergrund vorzustellen. Die Moderation solcher Abende liegt seitdem in den Händen meiner Frau, Irene Litterst-Lehmann.“ Ein Höhepunkt war der Auftritt in der Synagoge Kippenheim, wo Le Chajim mit Moderatorin Birgitta Scherhans den jüdischen Festkalender eines gesamten Jahres in Wort und Musikpräsentierte.“
Inspiration von Giora Feidman
Auf der Suche nach neuen Liedern begab sich Thüsing nicht nur ins Volksliederarchiv nach Freiburg, sondern ließ sich auch von anderen Gruppen wie Mischpoke aus Hamburg oder Giora Feidman, einem der bekanntesten Klezmermusiker der Welt, inspirieren. „Er spielt Klarinette, um seine Gefühle mit den Menschen zu teilen und er betont, dass die Musik die Sprache des Friedens ist. Dafür verbindet er alle Stilrichtungen von Klassik, Klezmer undTango, selbst Beatlesklängen, miteinander“, berichtet Thüsing. „Bei einem Konzert nahm Giora Feidman mich und meine Frau Backstage mit, spielte unser Klezmerstück zur Trauung Ani Ole Lirushalayim und verkaufte mir sein original gläsernes Klezmermundstück, mit dem ich seitdem spiele.“
So beflügelt entstanden neue Programme, die das Glück als auch Lieder, die in den Ghettos und Konzentrationslagern entstanden sind, behandeln. „Denn das Singen hat nicht aufgehört, selbst in den schwersten Zeiten nicht“, weiß Thüsing.
Wieder durchstarten
Corona hat die Musiker dann ausgebremst: Geplante Auftritte wie ein Abend im "Salmen"mussten abgesagt werden und auch das Projekt „Klezmer for kids“ mit einem Chor aus Kindern der Schauenburgschule Urloffen von Klasse eins bis vier wurde auf Eis gelegt. „Das wollen wir wieder beleben“, sagt Thüsings Pläne, „sehr gerne auch mit der Märchenerzählerin Katrin Bamberg aus Willstätt-Sand.“
Hintergrund: Klezmermusik feiert das Leben
Klezmermusik ist eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition. Bereits um das 15. Jahrhundert entwickelte sich diese weltliche, nicht liturgische jüdische Musik in den jüdischen Gemeinden in Osteuropa.
Die Lieder wurden zu Hochzeiten und anderen Festen des jüdischen Jahres gespielt und orientieren sich an religiösen Traditionen. Ihre musikalische Ausdrucksweiseentwickelte sich weiter bis in die Gegenwart. Durch jüdische Auswanderer kam die Klezmermusik in die Vereinigten Staaten, wo die Musik in den 1970er Jahren wiederbelebt wurde. Die Klezmermusik zeugt nicht nur von tiefer Melancholie, sondern auch von überschwänglicher Lebensfreude. Letztlich feiert sie das ganze Leben. Le Chajim - das heißt: „Auf das Leben!“
Von Karen Christeleit
Hörprobe aus dem Konzert in Lichtenau
Tango: Ikh hob Dich zuviel lieb
Quelle: Le Chajim
Klezmer: Mischpoken Freilach
Quelle: Le Chajim
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Quelle: Bühlot-Acher-Kurier
