Mystische Klänge von Le Chajim in Bad Peterstal
Berührende Klezmermusik mit märchenhaft unterhaltsamer Moderation
Bad Peterstal-Griesbach (juf). Klezmermusik und jiddische Lieder, dazu eine Prise argentinischen Tango und dazwischen märchenhafte Erzählungen hielt die Auftaktveranstaltung der Reihe Klangraum Kirche in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bad Peterstal bereit. Rund 100 Besucher ließen sich von der Ortenauer Formation „Le Chajim“, das heißt „Auf das Leben“, verzaubern.
Der Titel des Konzerts „Wo nemt man a bissele massel?“ bedeutet übersetzt „wo findet man ein bisschen Glück?“. Diese Suche führte durch viele Bereiche des Lebens, die ganze Vielfalt menschlicher Emotionen von ausgelassener Freude über Ohnmacht und Ausgeliefertsein bis Trauer fand ihren Ausdruck in der Musik und den Texten. Den Beginn des Abends machten mit „Nigun“ und „In this life“ zeitgenössische Klezmerklänge. Die Instrumentalisten des Abends waren Rolf Lehmann an der Gitarre, Wolfram Ehret mit Akkordeon und Keyboard und Klarinettist Stephan Thüsing, ein eingespieltes Team, das stellenweise dennoch rhythmisch nicht ganz übereinstimmte.
Moderation und Märchen von Katrin Bamberg
Märchenerzählerin Katrin Bamberg übernahm an diesem Abend nicht nur die Moderation des Konzerts. Zwischen den einzelnen Musiktiteln rundete sie mit spannenden und einfühlsam erzählten Geschichten den fast mystischen Konzertabend ab. Von „Massel“, also der Sache mit dem Glück handelte beispielsweise die Geschichte von zwei Brüdern, während sich eine andere Erzählung der nicht immer ganz leichten Unterscheidung von Märchen und Wahrheit annahm.
Lucia Blott überzeugt beim ersten Auftritt als Altistin
Ihren ersten Auftritt mit der Gruppe „Le Chajim“ hatte in Bad Peterstal die Sängerin Lucia Blott. Neben dem Titellied „Wo nemt man a bissele massel“ konnte sie auch mit Tangoklängen wie bei „Ich hob dich tsuviel lieb“ überzeugen. Ihre Altstimme wurde an diesem Abend sowohl in der Höhe, als auch in der Tiefe bis an die Grenzen beansprucht.
Tango, Klezmer & Jiddische Lieder - innig & zart bis ausgelassen fröhlich
Mit dem Thema Liebe befasste sich auch der rein insntrumental gespielte argentinische Tango „El dia que me quieras“. „An einem Thema kommt man an so einem Abend natürlich nicht vorbei“, führte Katrin Bamberg zum Lied „Dona, dona“ hin. Dieser Titel vom gebundenen Kalb, das zur Schlachtbank geführt wird warf „vor dem Hintergrund vom Auschwitz“ die Frage nach dem „Warum“ auf. Sehr einfühlsam und anrührend sangen und spielten „Le Chajim“ diesen Titel, bei dem das Publikum mitsummen durfte. Wie unterschiedlich im Ausdruck Klezmermusik sein kann, zeigten das innig und sehr zart intonierte Gebet „Ki anu amecha“ und direkt darauf der fröhlichen Sippen- und Teufelstanz. Nach den modernen Titeln „Respect“ und „Schpil gitar“ des Zeitgenossen Giora Feidman steigerten sich die Künstler bei Scherentanz und „Ode an Jerusalem“ vom klagend wehmütigen Spiel über beschwingter Musik bis zum flotten Jubel. Zwei Zugaben verlangte das Publikum mit standing ovations. Bei „Hewenu shalom“ wurde kräftig mitgesungen, bevor das deutsch-jiddische Wiegenlied, eine Kombination aus „Guten Abend, gut Nacht“ und „Schlof schojn, mayn kind“ den für die Reihe Klangraum Kirche ungewöhnlich langen Abend nach über eineinhalb Stunden beschloss.
